Götter in Weiß

oder: kritisches Denken in der Psychiatrie

Immer wieder habe ich während irgendwelcher Therapien gehört, es könne mir nie besser gehen, wenn ich immer alles hinterfrage beziehungsweise sage, wenn mir was überhaupt nicht passt. Ich müsse mich schon an das Setting, die Anforderungen, die Hilfestellungen halten und überhaupt solle ich eher dankbar dafür sein, dass mir jemand seine Ideen mitteilt die mir ja eventuell helfen, statt noch zu erwähnen, dass etwas  aus irgendeinem Grund vielleicht sogar extrem kontraproduktiv sein könnte.

Ich bin froh, dass ich zwar bzgl meiner Einstellung zu manchem früher schwankte, aber dass ich das nie aufgegeben habe. Hatte letztens erst wieder eine Situation, bei der ich mir garnicht vorstellen mag, wie es aussähe, wenn ich da völlig unkritisch dran gegangen wäre.

Ich hatte einen Termin bei meinem Psychiater. Dort angekommen, wurde mir mitgeteilt, dass er selbst leider im Krankenhaus sei, aber eine Vertretung den Termin übernehmen würde.

Bei dem Gespräch ist mir innerlich mehrfach die Kinnlade nach unten geklappt. Vorweg vllt folgendes: Im allgemeinen bin ich (für mich persönlich) dagegen, dauerhaft Medikamente zu nehmen. Mal für eine kurze Zeit oder als Bedarf okay, aber nicht langfristig. Das Nutzen/Schadenverhältniss fiel langfristig immer eher negativ aus. Außerdem bin ich aktuell in einer Ausbildung die mehr oder weniger passt, zumindest aber gut läuft, und bei der ich kein Interesse habe zu unterbrechen.

Es ging dann darum, dass ich eben übergangsweise doch nochmal Fluoxetin nehmen wollte. Ihre Aussage dazu:  ”Ja, das ist sehr gut. Ich meine, wozu gibt es denn die Psychopharmaka. Ich bin sehr froh darüber, dass sie so weit sind und sagen, dass sie Medikamente nehmen wollen. Manche Patienten kriege ich selbst nach über einem Jahr nicht dazu endlich was zu nehmen. Und Fluoxetin ist da ja auch ein sehr gutes Mittel. Citalopram, Cipralex und der ganze andere Kram der bringts da ja einfach nicht. Und Neuroleptika sind bei Borderlinern ja auch immer schwer. Die drehen ja frei, wenn sie ihre Stimmung nicht mehr kontrollieren können. Ich versteh einfach nicht, was daran so schwer sein soll. Ich mein, hätte ich damals vor 20 Jahren Medikamente zur Verfügung gehabt, hätte ich die sofort genommen wg meines Alkoholproblems und meiner Angststörung. Das ist doch viel besser. Ich musste dann das leider alles irgendwie mit richtiger Therapie überstehen, weil es die Medikamente damals so nicht gab.Aber warum nimmt man die denn dann nicht auch einfach ?!”

o_o Da hab ich geschluckt. Von Nebenwirkungen scheint die Frau noch nie was gehört zu haben. Auch davon nicht, dass die allerwenigsten Medikamente soweit helfen, dass jedes andere Problem verschwunden ist. Von steigender Suizidalität und Entzugs -( bzw natürlich Absetz-)problemen natürlich auch nicht. Ist ja jedem frei gestellt, ob er Medikamente nimmt oder nicht, aber das derart zu glorifizieren find ich schwierig. Ganz davon abgesehn, dass ich die Diagnose Borderline auch etwas schwierig finde, aber insbesondere dann traumhaft, wenn die Person mich überhaupt nicht kennt (In der Akte steht sonst imho nix davon).

Weiter fragte sie ziemlich unsensibel nach traumatischen Erfahrungen. Fand ich ja schon .. dreist, dass sie, direkt bei der ersten Stunde, die ich mit ihr in Kontakt komme da sonstwas hören will. Entsprechend hab ich dazu nix gesagt. Weiter textete sie mich zu, wie wichtig das sei, das endlich zu behandeln, “da endlich mal ran zu gehen und zur Sache zu kommen”  und welche Kliniken es gäbe, die das gut machen würden. “Die nicht immer nur auf Stabilisierung gucken und einen nie mal weiter durchtreten”. Nach etwa 10 Minuten Monolog ging ich mit 3 Klinikflyern und 2 Rezepten aus der Praxis.

Angenommen, ich würde mich davon beeinflussen lassen, alle Medikamente nehmen, die sie mir aufgeschrieben hat, am besten auch schon in einer der Kliniken sitzen. Ich würde meine komplette Lebenssituation hinschmeißen. Davon ab dass ich das eine Medikament überhaupt nicht vertrage. Ich will nicht wissen, was für Probleme mit der Medikation dann aufgetreten wären. Respektive auch nicht, wie viele Abhängigkeitsprobleme ich im Laufe der Jahre schon gehabt hätte, wenn ich immer alle Benzos so genommen hätte, wie sie mir verschrieben worden sind.

Ich bin froh darum, dass es nicht so ist und ich mir sowas immer erstmal 3 mal überlegt hab. Trotzdem frage ich mich, wie man da eigentlich es schaffen soll einigermaßen unbeschadet raus zu kommen, wenn man eventuell mit der irrigen Vorstellung hineingeht, dass einem dort wirklich geholfen wird und das alles so richtig ist. Und weiter versteh ich es dann wirklich nicht, dass selbst Betroffene immer wieder alles schön reden, was Therapeuten und Psychiater veranstalten, jegliches eigenständige denken abstellen und sagen, dass die Therapeuten das besser wissen müssen weil sie ja mehr Erfahrung haben als man selbst und sie einen viel besser kennen.

Ich versteh’s nicht.

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Guten Abend

Ich bin also die Skymning. Ich dachte, bevor ich mich in dem Blog austobe, stelle ich mich besser einmal vor ^^

Hm. Was gibt es über mich zu sagen?

Als ich mit 12 das erste mal beim Psychiater war, wusste ich überhaupt nicht, was daran schlimm sein soll, mit Messern zu jonglieren oder über den eigenen Tod nachzudenken. Es war einfach alles da, und ich kannte es nicht anders. Die Idee, dass das ganze schlimm sein sollte oder gar als krank gelten könnte, kam mir überhaupt nicht.

Mit 13 hatte ich dann bewusster angefangen zu schneiden. In der Zwischenzeit wurde mir mehr als deutlich klar gemacht, was alles krank gilt und was nicht. Trotzdem war ich der Meinung, dass es meine Sache ist, was ich mit meinem Körper mache, über die niemand anderes zu bestimmen hat. Als ich in dem selben Jahr das erste mal mit der Psychiatrie in Kontakt kam, hatte ich eine illusorische Vorstellung davon, dass es mir dann vielleicht nicht mehr so schlecht ginge.

Defakto sah das natürlich alles ein wenig anders aus. Ich habe mich angepasst und versucht durch zu kommen. Und irgendwann mehr oder weniger verinnerlicht, was mir teilweise einfach immer und immer wieder vorgesagt wurde. Es störte mich zwar, aber irgendwie kannte ich es nicht anders, und ab einem gewissen Punkt kam ich nicht mehr auf die Idee, dagegen zu rebellieren.

Das ganze ist jetzt zum Glück einige Jahre her. Irgendwann hab ich wieder mehr hinterfragt und irgendwann hab ich für mich gelernt, hinter meiner Meinung und Einstellung zu stehen. Ich bin jetzt seit gut 1,5 Jahren im SBK und genieße es, dort denken zu dürfen. Ich selbst sein zu dürfen. Akzeptiert zu werden und zu merken, dass es auch noch einige andere gibt mit dieser Einstellung.

Inzwischen hab ich für mich klare Einstellungen und Ansichten. Ich weiß wie ich mit mir umgehen möchte und wie nicht. Ich weiß, was ich in Ordnung finde und was nicht. Es geht nicht darum in das Lebensmodell anderer Leute zu passen, es geht darum, dass ich mich soweit es geht einigermaßen mit mir wohl fühle.

Ich glaube dazu möcht ich auch garnichts weiter sagen. Also was ich für Kram gemacht hab oder was ich für Diagnosen erhalten habe oder .. weiß der Geier. Ich denke eigentlich dass das ziemlich uninteressant und irrelevant ist und denke ich wenig über mich aussagt.

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Die bösen, bösen Proforen

oder: nur ein kleines Danke *rumschnulz* ;)

Die bösen Proforen.

Proforen. Pro-Ana (Pro- Magersucht). Pro-Mia (Pro- Bulimie). Pro SVV (Pro- Selbstverletzendes Verhalten). Pro-Choice. Pro-was-weiß-ich-auch-immer. Das sind die ganz bösen Foren. Und dann gibt’s da noch diese Suizidforen. Herr im Himmel noch mal, ist das evil.

Die reißen arme, kleine, pubertierende Mädchen in den Abgrund. Arme unschuldige Kinder aus gutem Elternhaus, die bis vor kurzem noch mit einer rosaroten Brille durch das Leben gingen. Ihr Fehler war es, auf eine dieser Seiten zu blicken- und schon wurden sie in den Sog mit eingesogen, und brachten sich um, reihenweise, gemeinsam und alleine, zu zweit oder zu dritt. Oder sie begannen zu hungern oder sich die Arme aufzuschneiden. Alles wegen diesen bösen Foren.

Böse, böse Proforen.

Ich bin in einem solchen Forum. Ein Pro-SVV-Forum. Wir haben einen „Pro- Ana“ Bereich, in dem User Esstagebücher führen können, dokumentieren können, wie wenig sie wiegen und wie wenig sie wiegen wollen, uns egal, und wenn sie einen BMI von 13 anstreben, wenn sie damit zufrieden sind, sollen sie es tun. Wir haben einen Bereich, in dem wir über Selbstmord diskutieren, darüber, wie man sich am Besten umbringen kann, was effektiv ist und was nicht, Risiken abwägen, Statistiken austauschen. Wir haben einen Bereich, in dem wir Bilder von unseren Selbstverletzungen einstellen, und uns gegenseitig Kommentare dazu schreiben. Wenn sich jemand umbringen will- dann soll er das tun. Wir sind gegen Zwang, gegen die Zwangspsychiatrie, für die Freiheit des Individuums.

Seit zwei Jahren bin ich in diesem Forum aktiv, vielleicht auch schon länger, so genau habe ich die Zeit nicht gezählt. Seit über einem halben Jahr bin ich inzwischen eine der 4 Administratoren des Forums.

Also- eine von den Überbösen. Mehr als nur evil.

Man könnte meinen- meine Geschichte wäre so eine, wie sie die Medien darstellen. Liebes Teeniegirlie, das ein paar Probleme mit ihrem Freund und in der Schule hatte, durch Zufall auf ein Pro-Ana-Forum stieß, begann zu hungern, ein Pro-SVV Forum fand und begann, sich die Arme aufzuschneiden, und das sich nun in nächster Zeit umbringen wird, da sie nun in einem Forum aktiv ist, in dem auch noch Suizidmethoden ausgetauscht werden.

Meine Geschichte ist eine andere.

Ich wurde als Kind missbraucht. Mit 10 begann ich zu hungern, ein paar Jahre später zu kotzen und Abführmittel zu nehmen. Mit 12 begann ich mir die Arme aufzuschneiden, erst oberflächlich, später tiefer. Heute, mit 23, habe ich um die 10 Selbstmordversuche hinter mir, mal ernstere, mal weniger ernste, mal Hilferufe, mal entschlossene Handlungen in deren Verlauf ich wirklich plante, zu sterben. Als ich in dieses Forum kam, von dem ich gesprochen habe- war all das schon geschehen. Kein Forum hatte mich da reingeritten, es war bereits gewesen.

Ich suchte seit meinem 15. Lebensjahr im Internet nach einem Forum, in dem ich über all das, was mich plagte einmal reden konnte, in dem ich Hilfe und Unterstützung finden konnte. Ich fand sie nicht. In jedem Selbsthilfeforum, in dem es hieß „Und wir sind füreinander da“, fand ich nichts mehr als einen Hinweis bei jedem meiner Beiträge, dass ich doch bitte Triggersternchen verwenden solle, und die Antworten von User x und y. Jedes Mal das Selbe. User x sprach weise: „Das kenne ich! Mir geht es auch so scheiße… blabla.“ Und User y fügte hinzu: „Geh in Therapie!“

In Therapie war ich, unzählige Male, aber bis zu meinem 18. Lebensjahr schaffte es kein Psychologe oder Psychiater dieser Welt auch nur im Geringsten, mein Vertrauen zu gewinnen.

Jetzt bin ich also in diesem bösen Pro-Forum. Ganz evil. Und so weiter.

Und als ich vor einigen Monaten mir einmal wieder so viele Drogen und Alkohol reingeschmissen hatte und einen Entzug mehr als nur nötig hatte, setzte sich eine andere Userin dieses Forums in den Zug und kam zu mir, um während meines Entzugs auf meine Hunde aufzupassen. Einfach so. 10 Stunden Zugfahrt. Einfach so.

Und als ich kurz davor war, einen Raubüberfall auf irgendein Geschäft zu begehen, weil ich kein Geld mehr hatte- da waren es Leute aus diesem Forum, die mir ins Gewissen redeten, mir sagten, dass ich es nicht tun solle, und anboten, mir Geld zu leihen.

Ich könnte mehr Beispiele anführen, aber ich erachte es nicht für nötig.

Vielleicht noch die groben Fakten- in so einem bösen Proforum, das seit 2 Jahren existiert- wie viele User haben sich denn da schon im Laufe der Zeit umgebracht?, werden einige von euch sicher fragen.

Ich sage es euch: Null. 0. Kein Einziger.

Weil über ein Tabuthema reden nicht gleich heißt, es auch ausführen zu müssen. Vielleicht wollen viele von uns einfach nur reden dürfen. Vielleicht hilft das Reden aber auch, das Thema weniger abstrakt und greifbarer zu machen, sich damit zu beschäftigen und eventuell zu erkennen- dass der Selbstmord eigentlich gar nicht das war, was man wirklich wollte?

Sicher denkt ihr jetzt- na gut, dafür dass ich mich noch nicht umgebracht habe, wiege ich aber sicherlich viel zu wenig. Ebenfalls falsch. Ich bin nach jahrelangem Kampf heute weit genug, um mein Gewicht zu akzeptieren, und obwohl ich in einem Forum bin, in dem viele auch öfter mal hungern oder weniger wiegen, habe ich inzwischen ein stabileres Essverhalten als zu der Zeit, in der ich in keinem einzigen Proforum angemeldet war.

Es ist egal, ob man im Internet auf diese Menschen stößt, oder in der Realität- andere Essgestörte sind überall. Sich vergleichen kann man sich auch im Supermarkt mit der dünnen Frau vor einem in der Kasse, oder mit der Klassenkameradin, die in der Pause nur eine Karotte knabbert, Tag für Tag, und immer tiefere Augenringe bekommt.

Vielleicht ist das Internet der einfachere Schritt, um mit diesen Konfrontationen klar zu kommen- und erst wenn man diesen Schritt hinter sich hat, kann man auch in der Realität besser damit umgehen. Pro-Ana als Weg zur radikalen Akzeptanz? Warum nicht?

Ach und- nein, ich schneide mich nicht lebensgefährlich und böse und tiefer als früher. Im Gegenteil.

Ich habe durch den Austausch in diesem Forum gelernt, vorsichtiger zu schneiden. Seit dem ich in diesem Forum bin, habe ich keine Sehne mehr ausversehen durchgeschnitten oder Ähnliches. Der Austausch mit anderen hat mir gebracht, zu erkennen, wie weit ich gehen darf, ohne meinen Körper zu zerstören oder nicht.

Ich habe gelernt, meine Wunden nach dem Selbstverletzen zu versorgen, und nicht wie früher einfach vor sich hingammeln zu lassen.

Und- ich schneide seltener als früher. In jeder Klinik und in jedem Selbsthilfeforum habe ich gelernt- das Schneiden eine „böse, böse Sache“ ist. Ich wollte es tun und dürfte es doch nicht- und das hat den Drang danach verstärkt, hat mich in eine Sackgasse getrieben, die aus Schuldgefühlen nach jedem Selbstverletzen bestand und der ständigen Angst davor, es wieder zu tun. Dabei- finde ich selber es nicht schlimm. Es belastet mich nicht, ich tue es gerne.

Heute schneide ich seltener- weil ich weiß: Es ist okay. Es gehört zu mir dazu, und wenn ich mal will, dann darf ich auch- ohne mich vor mir selber oder dem Rest der Welt dafür rechtfertigen zu müssen.

Wenn ich früher alle 2 Tage minimum geschnitten habe- dann bin ich heute bei 1, 2 Malen im Monat angelangt.

Und das soll negativ seien? So sehe ich das eher nicht.

Und letztendlich- habe ich in diesem Forum Freunde gefunden. Meine Freundschaften bestanden lange Zeit nur aus dem Menschen, die ich von der Arbeit und der Schule kannte, und die nichts von mir und meinen Geheimnissen wissen durften. Oberflächliche Freundschaften. Oder Klinikbekanntschaften, die so schnell wieder auseinander gingen, wie sie begonnen hatten. Oder die, denen ich Drogen verkaufte oder die, die mir Drogen verkauften- Freundschaften die letztendlich nur auf einer Art Geschäftsbasis existierten.

In diesem Forum habe ich Menschen gefunden, denen ich endlich einmal jede Seite von mir zeigen darf. Bei denen ich seien darf, wie ich seien will.

Ich habe zum ersten Mal seit langem wieder erleben dürfen- dass man mit einer Freundin auch Spaß und eine wundervolle Zeit haben kann, ohne sich währenddessen zu besaufen oder mit Drogen vollzupumpen. Lange bestanden gemeinsame Unternehmungen mit Freunden bei mir nur aus Saufgelagen und Abschießtagen mit etlichen Substanzen.

Ach ja- und auch wenn die Meisten in diesem Forum gegen jegliche Art der Zwangspsychiatrie sind- heißt das nicht, dass wir gegen freiwillige Therapie sind. In der Zeit, in der ich in diesem Forum war, war ich kontinuierlich auch in Therapie- und meistens waren es die Leute dort, die mich dazu ermutigt haben, mit meinem Psychiater offen zu reden oder mir Hilfe zu suchen, wenn ich nicht weiterwusste.

Es geht mir besser heute als vor ein paar Jahren.

Einen großen Teil verdanke ich meinem ehemaligen Psychiater- Herr Dr. B., ich sende Ihnen hiermit mal viele Grüße.

Einen weiteren großen Teil verdanke ich aber auch diesen Menschen, die ich in diesem Pro-Forum kennenlernen durfte.

Danke kore, für alles. Danke Nemi, Mouse und Shadow, dafür, dass ich bei euch so seien darf, wie ich bin. Danke an alle anderen User, für eure Unterstützung und eure manchmal harten, aber ehrlichen Worte, und für die Hilfe in allen möglichen Situationen.

Evil, diese Proforen, nicht wahr? ;)

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Schlimm krank, leicht Krank

Viele Menschen fragen sich wie schlimm krank sie sind.
Ihre Wünsche können da unterschiedlich sein oder auch widersprüchlich; also ob sie möglichst schlimm krank oder möglichst leicht krank sein wollen.

Es gibt erstaunlich viele Menschen, die ein Stück weit anstreben als möglichst schlimm krank anerkannt zu werden.
Da kann es zum Beispiel darum gehen, dass jemand mit seinem Leid gesehen werden will, und je mehr Krankheit ihm anerkannt wird, desto mehr wird anerkannt, dass der Mensch es wirklich nicht einfach hat.
Da spielt dann auch Neid eine Rolle, weil andere Menschen, die schlimmer krank sind als man selbst viel mehr Zuwendung, Respekt und Anteilnahme erfahren als man selbst, also wünscht man sich auch als kränker anerkannt zu werden, damit man auch Anerkennung erfährt.
Es geht uch um die innere Rechtfertigung, wenn etwas im Leben nciht so gut läuft. Da wird innerlich gestritten ob man sich nur anstellt und dumm ist, oder vielleicht krank ist. Krank sein ist also die Alternative zu scheiße sein – und das ist dann ja die zu bevorzugende Alternative.
Krank sein ist auch die Erlaubnis sich Hilfe zu holen. Krank sein kann auch Identität stiften bzw. eine Erklärung wer und wie man ist.
Es gibt noch eine Reihe weiterer möglicher Gründe.

So bekommt man sehr häufig mit, dass Menschen das vergleichen und bewerten.
Man liest dann von Leuten, dass es ihnen ja vergleichsweise gut geht im Vergleich zu anderen. Dass es natürlich nicht SO SCHLIMM ist wie bei anderen. Dass sie sich vielleicht nur anstellen.
Und man bekommt auch oft mit, dass Leute den Wunsch haben von aussen bestätigt zu bekommen, dass sie (schlimm) krank sind. Öffentliches Vergleichen und öffentliches sich selbst runtermachen, oder auch bewusste Andeutungen oder bewusstes Erzählen von Dingen die allgemein als “schlimm” gelten sind daher auch häufig.
Es kann da auch sehr viel Manipulation laufen, weil Leute bewusst oder auch nicht wohl wissen welche Register man so ausfahren kann um als besonders schlimm krank oder krass zu gelten.
Das ist oft nicht bösartig und manchmal nicht ganz bewusst, sondern dient ja oft eben oben genannten Zweck sich wahrgenommen und verstanden zu fühlen.

Diese Dynamik in Foren oder in WGs oder Kliniken oder wo auch immer mehrere Betroffene aufeinander treffen ist aber wichtig.
Und auch gefährlich, weil einzelne Leute anfangen werden Dinge zu tun die sie in der in ihrem Umfeld gültigen “Krankheitshierarchie” aufsteigen lassen.

Hier ein paar Bewertungs-Punkte, die nicht nach Wichtigkeit sortiert sind. Natürlich ists nicht vollständig und ich habe die benannt die ich problematischer finde.

Die Diagnose
Erst mal ist es schon mal gut überhaupt eine Diagnose zu haben, weil es ja der offizielle Beweis ist, dass man sich nicht nur anstellt.
Innerhalb der Diagnosen sind die Bewertungen je nach Umfeld verschieden,
allgemein kann man aber sagen dass DIS und PTBS besonders hoch angesehen werden. Dann folgt meist Borderline.
Gerade Borderline hat auf der anderen Seite ja auch einen sehr miesen Ruf, dass trotzdem gerade diese drei angestrebt werden hängt vielleicht auch mit der traumatischen Genese zusammen die allen drei Störungen zugewiesen wird.
In manchen Gruppen sind Psychosen oder (“richtige”) bipolare Störungen als “harte biochemische Krankheiten, die man sich nicht einbilden kann” auch besonders hoch angesehen. Da geht es vermutlich darum, dass das eindeutig krank ist und nie mit “stellt sich nur an” bewertet werden kann.

Das Trauma
Traumatische Ursachen sind allgemein wichtig bei vielen Störungen.
Depressionen, Essstörungen, Angststörungen, SVV “ohne Ursache” fallen vielen Betroffenen schwer.
WENN ein Trauma vorliegt wird das auch verglichen. Da gilt: Sexueller Missbrauch > Körperliche Misshandlung > Emotionaler Missbrauch/Misshandlung
Da wird dann auch das Ausmaß verglichen, z.B. Vergewaltigung > sexueller Missbrauch ohne dass es zu Penetration kommt.
Dann auch die Anzahl der Täter, das Alter in dem es begann.
Die Creme de la Creme sind erzwungene Kinderprostition und Misshandlungen im Rahmen eines Kultes.
Das klingt sehr pervers, wenn man das so klar aufschreibt, wie das leider echt ist.
Dass es diese Bewertung gibt und welche Stufen es da gibt merkt man am Verhalten der Betroffenen, also immer die mit der “nächstniedrigeren” Stufe können Dinge schreiben wie “Immerhin ist mir nicht X passiert” oder “Aber bei mir ists ja nicht so schlimm, weil mir ist ja Y nicht passiert”. Während bei Dingen die allgemein als weniger schlimm angesehen werden es einfacher ist die Position einzunehmen, dass das natürlich AUCH schlimm ist, und nicht weniger schlimm als was man selbst erlebt hat, und so weiter.

“Traumasymptome”
Werden weil Trauma wichtig ist besonders hoch bewertet. Gute Symptome sind dabei Flashbacks und Dissoziationen. Ausserdem Albträume und Schlafstörungen.
Daher versuchen viele Menschen in ihre Erinnerungen oder Erinnerungsproblemen oder Empfindungen Flashbacks und Dissoziationen reinzuinterpretieren.

Zählbare und sichtbare Werte
Wie zum Beispiel die Tiefe der SVV-Wunden. Das Ausmaß des Untergewichts.
Natürlich sind “alle ernst zu nehmen”. Aber wenn so Symptome besonders stark ausgeprägt sind wird davon ausgegangen, auch von Fachleuten, dass da eine besonders tiefe Ursache vorliegt.
Auch kann so niemand behaupten es wäre nur einfach mal so, also man kann sich durch Ausprägung des Verhaltens von “weniger kranken” Leuten abgrenzen.
Ich denke da geht es zum einen darum, dass es sichtbar ist, und was sichtbar ist kann auch schocken und ist eindrücklich. Ist greifbarer als nur erzähltes. Und es ist objektivierbarer. Es ist sehr schwer zu vergleichen welcher von 2 Menschen unglücklicher ist, aber wessen Wunden tiefer sind, das geht.

Wie lange hat mans schon?
Das ist vor allem wieder bei Essstörungen oder SVV wichtig. Aber auch bei anderen beschriebenen Symptomen: Dissoziationen, Substanzmissbrauch, usw.
Da es bei Leuten, die eben erst angefangen haben eher heisst sie sind ja nicht so tief drin, die können noch gut damit aufhören. Daher korrigieren viele die Dauer ihres Verhaltens nach oben, damit es so wirkt als wären sie länger dabei, weil sie sich sonst nicht ernst genommen fühlen.
Bei Dingen wie Dissoziation sind sowieso alle erst mal spektisch wenn jemand eine solche Diagnose plötzlich auch noch hat. Generell bei Störungen, die oft abgeschaut und gefakt werden, und da gehören dissoziative Störungen dazu. Wenn jemand seit vielen Jahren die Diagnose hat und es schon lange weiss ist es was anderes, als wenn er plötzlich erkennt er hat das auch, inbesondere nach Kontakt mit Menschen die diese Diagnose schon erhalten haben.
Auch da wird daher nach hinten korrigiert, also behauptet das sei schon deutlich länger bekannt; oder eben neue Erkenntnisse über sich lieber verschwiegen.

Wie jung schon?
Das ist ein Unterpunkt von wie lange.
Je krasser man als Kinder oder Teenager schon war, desto besser. Ideal ist vorpubertär, weil es dann eben nicht auf die Pubertät zurück zu führen ist.
Da geht es zum einen darum: Wenn ein Kind schon SO KRANK ist, dann kanns ja nur sehr schlimm gewesen sein. (Auch das Trauma).
Ausserdem ist es dann leichter zu behaupten, dass man selbstständig auf Dinge gekommen ist. SVV das selbst erfunden wurde ist wertvoller als abgeschautes SVV. Hat man als Kind angefangen bevor man wusste, dass andere es auch machen gibt es Pluspunkte.

Anzahl der Therapieversuche
Das ist eine recht seltsame Sache.
Jemand der ständig in der Klinik ist, ist offensichtlich schwer krank. Jemand, der viele Therapieversuche hinter sich hat auch.
Das ist eine Bewertung, die Menschen, die nie in der Klinik waren oder beim Therapeuten oft mit Neid erfüllen oder verunsichern, weil bei ihnen wars ja nie SO SCHLIMM dass sie ins Krankenhaus mussten.
Genauso belohnt diese Bewertung auch Menschen, die im System bleiben, also eben sich nicht bemühen selbstständiger zu werden. Denn wer weniger Hilfe braucht ist weniger krank, wer weniger krank ist verdient weniger Zuwendung, und so weiter.

Alltagstauglichkeit
Wer noch arbeiten kann ist nicht so krank. Wer einen geregelten Tagesablauf hinbekommt auch nicht.
Das ist in so fern trügerisch, dass es ja irgendwo natürlich stimmt, andererseits es oft reduziert wird. Bei manchen Menschen geht als erstes die Arbeitsfähigkeit flöten, obwohl sie noch in der Lage sind Freundschaften zu pflegen, eine Beziehung und Familie, Hobbies. Bei anderen geht die Arbeitsfähigkeit als letztes weg, wenn sie sonst nichts mehr hinbekommen im Leben.
Dennoch wird die Arbeitsfähigkeit meist als Indikator gesehen. Auch hier mit Neid verbunden bei denen die “sich nicht gehen lassen und arbeiten obwohl sie genauso krank sind”; und mit Minderwertigkeitsgefühlen bei denen, die nicht arbeiten gehen und deswegen Ablehnung erfahren.

Kontrollverlust
Kontrollverlustige Symptome werden höher eingestuft, also Symptome für die man nix kann, denen man ausgeliefert ist. Dissoziation, Flashbacks, psychotische Symptome, usw.
Das Problem dabei ist natürlich, dass in Folge dessen sehr viel gefakt und gelogen wird, z.B. gibt es viele Menschen die behaupten keine Kontrolle über ihr SVV oder ihr Essverhalten zu haben, was im Großteil der Fälle eben falsch ist. Auch Dissoziationen werden oft als Grund vorgeschoben.
In dem Zusammenhang ist “getriggert werden” oft zu sehen.

Ich muss sagen dass es so klar aufzuschreiben mich selbst ein bisschen erschreckt. Am liebsten würde ich nun relativieren weil es doch sehr pervers klingt.
Aber diese leider vorhandene Dynamik ist finde ich wirklich wichtig, weil siehe oben. Und wenn es um das Thema Schädlichkeit des ganzen Psycho-Systems geht sind solche Überlegungen auch wichtig.

Es ist wie gesagt auch meist kein bösartiger Wille darin oder Menschen entscheiden sich nicht bewusst Dinge so unterschiedlich zu bewerten, sondern es sind Bewertungen die oft so latent mitschwingen und das Verhalten der Menschen beeinflussen. Ohne dass klare schuldige zugewiesen werden können, zumindest von mir nicht. Fachleute machen mit, Betroffene machen mit, Nicht-Betroffene ebenfalls. Rational bewerten die meisten das oft anders, es geht da mehr um Gefühle.
Woher das genau alles kommt könnte ich auch nicht sagen, ich kann nur beobachten und die Gedankengänge dahinter auch beschreiben, aber wie das tatsächlich entsteht ist ja wieder eine andere Frage.

Danke an kore und andere Mitglieder, die viele Punkte zusammengetragen haben, die ich nur wiedergebe.

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Warum Pro-Foren als schädlich gelten

Ich hab mich neulich gefragt warum viele Menschen, darunter auch wirklich reflektierte und kluge, pauschal der Überzeugung sind, dass “Pro-Foren” schädlich seien.
Mit “Pro-Foren” meine ich hier Foren, in denen keine Grenzen gesetzt werden wenn’s um Themen wie SVV, Essstörung, Drogenkonsum geht, also keine Zensur. Detaillierte Erfahrungsberichte und Bilder sind erlaubt, beschönigende, verherrlichende Einstellungen oder Bemerkungen von den Mitgliedern zu diesen Themen sind erlaubt.

Ich denke EIN Grund (unter vermutlich mehreren und je nach Mensch unterschiedlichen) ist, dass viele Menschen die Erfahrung gemacht haben, dass Verhaltensweisen wie SVV oder Essstörungen verstärkt werden können durch das Umfeld in Kliniken oder Selbsthilfeforen.
Wenn man in ein Umfeld kommt in dem so Verhaltensweisen normal sind, ja man sich schon fast als Aussenseiter fühlt, wenn man das nicht tut (kann einem in so manch ein Forum schon so gehen), dann verstärkt sich das wohl.
Man bekommt auch durch Foren oder Therapiegruppen ein bisschen mit, dass so Verhaltensweisen die Menschen umso mehr berühren, je schlimmer man es tut.
Zwar sagen alle, dass es immer ernst zu nehmen ist, egal wie tief sich jemand schneidet, aber in Wirklichkeit läuft es ja doch wieder etwas anders. Das hat dann auch einen Einfluss auf den Einzelnen und verstärkt z.B. das SVV (wenn auch unbewusst).

All das führt dazu, dass Menschen sich übers Internet oder ihr Umfeld oder Medien SVV abschauen. So ganz ohne Einfluss von aussen hätten sehr viele nicht mit SVV oder Essstörung angefangen;
und ausserdem dass SVV oder Essstörungen durch Einfluss von anderen Betroffenen sich verstärken können.

In vielen Selbsthilfeforen (oder Klinikgruppen) herrscht ja unter der Hand ein Wettbewerb: Wer ist schlimmer dran?
Dieser Wettbewerb ist im Kopf der Menschen drin, die sich gegenseitig vergleichen und den Wunsch haben ernst genommen zu werden mit ihren Problemen.
In allen Foren gibt es Menschen die dafür Null anfällig sind und welche die das stark sind.
Es lässt sich kaum vermeiden, dass auch so Leute, die für so Gedanken anfällig sind sich in nem Forum anmelden.
(Das sind z.B. die Leute die ihre Probleme als Pipifax bezeichnen, betonen dass andere es doch schlimmer haben als sie, oder Leute die sich über Mode-SVVler aufregen, und so weiter; also Menschen die kein Vertrauen darin haben ernst genommen zu werden mit ihren Problemen, es sich aber eigentlich schon wünschen – und somit in ihrem Kopf Rangordnungen erstellen, wer mehr Therapie verdient hat, wer mehr Hilfe verdient hat, immer mit der Angst selbst da ganz mies abzuschneiden)

Dass dieser Wettbewerb unerwünscht ist wiederum ist auch logisch, weil es einfach stressig ist für alle Beteiligten, viele Minderwertigkeitsgefühle, Missgunst, und so weiter auslöst.

Dieser Wettbewerb wird also negativ angesehen, und deswegen kritisiert wenn er mal offen angesprochen wird, sonst leider auch oft von den direkt beteiligten geleugnet.
Allgemein wird er versucht durch Zensur zu unterbinden (keine Maßangaben, keine Methoden….). Weil unnötige vergleichende Details den Wettbewerb nur schüren würden und schlechte Gefühle auslösen.

Somit verwundert es nicht, dass viele in Selbsthilfeforen, die so eine Zensur betreiben überzeugt sind, dass man in einem Forum in dem das so nicht ist nur noch viel mehr reinrutschen würde und der Wettbewerb wohl explodieren.

Tatsächlich erlebe ich es so, dass der Wettbewerb gleich stark ist, also durch die Zensur nicht unterbunden.

Wenn da keine Daten oder Bilder stehen und nicht offen darüber gesprochen wird, läuft es ja über Andeutungen.
z.B. ist es in Selbsthilfeforen wohl erlaubt zu schreiben, wann man beim nähen war. Oder auch zu schreiben welche Fachleute wie schockiert auf die eigenen Wunden reagiert haben. Allgemein ist es eben erlaubt über das Schneiden und wie es einem damit geht zu schreiben, nur eben keine Details, Wundentiefen.
Somit kann sich doch jeder etwas ein Bild machen, wer so “krasser” ist, und sich z.B. schlecht fühlen im Vergleich,
nur dass dieses Bild noch viel mehr durch die eigene Phantasie geprägt wird, da ja kein echter Vergleich möglich ist.
Aber das Vergleichen und Bewerten der eigenen Problematik im Vergleich zu der der anderen, das läuft auf jeden Fall, trotz Zensur.

In Foren ohne Zensur werden dann automatisch Fragen gestellt werden, die in Foren mit Zensur tabu sind aber den Vergleichenden interessiert haben: Wie tief schneidest du? z.B. Wie oft? Was war deine schlimmste Komplikation?
Somit wird ja etwas diffuses konkret. Es ist möglich darüber zu reden und sich zu vergleichen.

Ein positiver Aspekt dabei ist natürlich dass dieser sonst unterschwellige Vergleich somit völlig offen läuft, und da auch sehr viel darüber geredet wird.
Und offen über etwas reden hilft ja oft sich über Dinge klar zu werden in einem selbst, und damit abschließen zu können.
Auch wird die Spannung reduziert weil viele Fragen, die man hat oder Gedanken offen geschrieben werden dürfen. Sonst würde man sich eher reinsteigern.
Es ergeben sich für einen angenehme Situationen dass man feststellt anderen geht es genauso, oder stellen sich nicht besser an als man selbst, wenn man mal endlich konkreter werden kann, was bestimmte Themen angeht.
Oft entwickelt sich ja dann eine Entspannung in einem, weil manche Fragen endlich gestellt und manche Themen endlich besprochen werden durften.
Und man kann sich innerlich wichtigeren Themen widmen, die einen selbst und das eigene Wohlergehen betreffen.

Aber das kann jemand nicht wissen, der das nicht erlebt hat, und eben die Angst hat, wenn die Leute hier ihre Esspläne und Wundbilder auspacken, dann würde ja ein richtig mieser Wettbewerb und Abschauen und Verstärken gegenseitig ablaufen.

“Don’t waste your time on jealousy. Sometimes you’re ahead, sometimes you’re behind. The race is long, and in the end it’s only with yourself.” (Mary Schmich) – das als Fazit weil das die Erkenntnis ist, die mit der Zeit erfreulicherweise in manchen Köpfen ankommt. :)

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»Wir alle haben verrückte Anteile in uns«

Jugendpsychiater über Ausgrenzungen

Der Zeitmangel bei der Behandlung von psychisch Kranken führt mit dazu, dass Patienten als “gestört” oder “defekt” eingestuft werden, meint der Kinder- und Jugendpsychiater Christian Eggers.   mehr (taz vom 29.04.2011)

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Glückspillen & Glückskekse

Warum „moderne“ SNRI (Antidepressiva) keine problemlose Allheilmittel sind…

Nein, keine Angst, es folgt kein wissenschaftlicher Bericht, sondern ich möchte nur kurz über meine Erfahrungen mit Antidepressiva berichten.

Ich habe insgesamt „nur“ ca. 6 Monate AD’s genommen. Davon in den letzten 3 Monaten ein ziemlich hochdosiertes SNRI. Nach Absprache mit meinem Psychiater sollte ich das Mittel runter dosieren und dann absetzen, weil ich keine positive Wirkung gespürt habe.

Danach war geplant daher ein anders Mittel zu probieren. Soweit so gut.

Ich hatte mich für Medis entschieden, weil ich wollte das es mir einfach besser geht.

„Die modernen Psychopharmaka helfen gut, sind problemlos und machen nicht abhängig!“

Das ist ja das, was man so allgemein hört von diesen Mitteln.

Zwei Tage nach dem runterdosieren und absetzten (dem sog. ausschleichen) traten dann Probleme auf: Schlafprobleme, Unruhe, zittern, Ängste, Stimmungsschwankungen (mal musste ich weinen, mal war ich euphorisch), hab mich zugedröhnt Gefühl, seekrank beschreibt es ganz gut, Übelkeit, Magenprobleme…

Nur zur Verdeutlichung, das Mittel habe ich nicht plötzlich abgesetzt, sondern ganz nach Anweisung meines Psychiater ausgeschlichen.

Die Beschwerden, die das absetzen des Antidepressivum verursachte, fande ich doch ziemlich beunruhigend und beängstigend, da man auch keinerlei Hinweise darauf im Beipackzettel findet, und ich auch von ärztlicher Seite nicht darauf hingewiesen wurde.

„Nimm besser keine AD’s mehr“ sagt mir mein Glückskeks!

Hinterher ist mal ja immer schlauer, ich hätte mich mal vorher besser informieren sollen. Ich war ziemlich naiv, alles brav zu glauben, was mein Arzt mir erzählt hat:
“ ja, die modernen Psychopharmaka, alles kein Problem.”

Mein ganz persönliches Fazit:

Man sollte doch sehr gründlich abwägen ob es Sinn macht diese Art der Medis zu nehmen. Ich kann nur allen raten, sich vorher gründlich zu informieren, und das möglichst pharmaunabhängig.

AD’s sind ein Milliardengeschäft für die Pharmaindustrie, das sollten man immer im Hinterkopf haben.

Ich bin auch ins grübeln gekommen, als mich mein Arzt mit diesen tollen Pharma-mustern versorgt hat. Diese “gratis” Muster haben einen hohen Preis, den wohl alle Versicherten bezahlen müssen. Zumal wenn sich der Arzt dann noch konsequent dem “aut idem” Zusatz verweigert, und auf eine bestimmte Pharmafirma besteht.
Naja, da ging wohl die letzte “Weiterbildung” in ein schickes Hotel in der Schweiz?

Nur zur Klarstellung, ich verteufel grundsätzlich keine Medis.  ich nehm zz selber noch ein niederpotentes Neuroleptikum bzw Beruhungsmittel als Bedarfsmedi.

Danke für eure Aufmerksamkeit

Liebe Grüße
Paula

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Der Akt

Erwartung

Zweifel

Überwindung

Meditation

Überwindung

Schmerz

Meditation

Staunen

Freude

Erkunden

Spielen

Erfolg

Schwelgen

Glücksseeligkeit.

Posted in InSanity [Blog] | 102 Comments

ich bin paula….setz dich, und nimm dir nen keks^^

hallo, ich bin paula, verletze mich selbst, und ich bin kein bordie ;)

ich führe ein ganz normales leben, und halte mich für einen ganz “normalen” oder durchschnittlichen menschen, der versucht sein leben zu meistern.

ich möchte in meinem ersten beitrag von diesen blog etwas über meine motivation und meine einstellung schreiben, um damit für mehr gesellschaftliche akzeptanz zu werben.

ich verletze mich seit über 5 jahren selbst und bin wie wahrscheinlich viele, erst auf „klassische“ selbsthilfeforen gelandet, als ich mich mit dem thema selbstverletztendes verhalten beschäftigte. hab dann aber schnell gemerkt, dass ich mit den meinungen, die da vertreten werden nicht viel anfangen kann. ich hatte keine lust mehr auf die sternchen, zensur und die üblichen sprüche „du solltest unbedingt eine thera machen“ und „geh zum arzt“. ich halte diese sogenannten selbsthilfeforen (sternchenforen) für gut gemeint aber bedenklich. denn die hilfe besteht letztendlich nur aus dem hinweis, das man therapiebedürftig ist und prof. hilfe braucht! und das nennt sich dann selbsthilfe?

wichtige themen wie wundversorgung, anatomie oder ganz allgemein wie man sich safe und “risikoreduziert” verletzten kann werden nur rudimentär oder garnicht behandelt bzw riguros zenziert. stattdessen gibts dann immer wieder den hinweis auf diese tollen skills^^.  skills sind ersatzhandlungen, die man statt sich selber zu verletzten anwenden soll. zum beispiel was ganz scharfes essen, an nem amoniakfläschchen schnuppern, oder sich mit gummibändchen schnippen.

ich persönlich habe keinen bock mich den ganzen tag mit irgendwelchen skurilen sachen runterzuskillen. mit lustigen gummibändchen rumzulaufen oder meinen arm mit einen roten edding vollzukritzeln. ich will einfach mein blut sehen. diese ganze skillgeschichte läuft ja nur darauf hinaus, sichtbare verletzungen zu vermeiden (sichtbar=böse?). also immer schön den schein nach außen wahren! mal davon abgesehen, das man ja dinge nur vermeidet, von denen man selbst denkt, das sie schlecht oder negativ für einen sind. und warum soll ich mir einreden, das sich selbstverletzen etwas schlimmes, böses oder negatives ist? ich halte es für kontraproduktiv, sich selber noch zusätzlich ein schlechtes gewissen zu machen! wozu? ich habe kein problem mit dem selberverletzten. für mich ist das ok. es hilft mir und es tut mir gut. sonst würde ich es ja nicht tun. meistens habe ich ein sehr zufriedenes grinsen im gesicht, wenn ich mich selbstverletzte, und das ist auch gut so! ich weiß was ich tue, und bin mir der konsequenzen bewusst. alles hat seinen preis, und den bin ich bereit zu zahlen.

um missverständnisse zu vermeiden, ich bin nicht gegen therapie oder prof. hilfe. und wenn jemandem die skills helfen, weil er ein prob hat, finde ich das völlig ok. jeder soll und muss selbst frei endscheiden, was gut für ihn ist. zwang lehne ich grundsätzlich ab!

jeder hat ja da seine ganz eigenen gründe sich zu verletzen oder zu verschönern. so soll doch jeder das tun, was er möchte. egal aus welchen gründen auch immer.

ich bin so, wie ist bin. ich fühle so, was ich fühle. ich denke so, was ich denke. ich brauch niemanden, der mir vorschreibt, was ich fühlen, denken oder was ich tun soll! ich bin selbst für mein leben verantwortlich. niemand sonst! ich will nicht als krank oder therapiebedürftig bezeichnet und stigmatisiert werden.

ich möchte hier einfach so sein können wie ich verdammt noch mal bin. und wenn ich schöne muster in meinen körper schneiden will, möchte ich das einfach tun. jeder soll doch einfach das machen können, was er will. ich verletzte MICH ja nur und niemand anderes. ich falle auch niemanden damit zur last, denn ich versorge meine wunden selbst.

andere menschen inhalieren gern giftige dämpfe oder deformieren durch übermäßiges essen ihren körper und riskieren so massive gesundheitsschäden (diabtes, bluthochdruck -> schlaganfall & herzinfakt!). dieses verhalten ist voll gesellschaftlich akzeptiert und niemand hält diese leute für gestört!

ich habe für mich diesen weg gewählt. und wer eine thera machen will, der soll das doch bitte tun. ich weiß nicht welches der einfachere oder schwerere weg ist. ich habe meinen gewählt. mag sein, das sich das irgendwann ändert, ka. jeder soll einfach frei endscheiden können.

ich will einfach so sein können wie ich bin.

liebe grüße
paula

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SVV – meine persönliche Einstellung

Ja, ich verletze mich. Und das auf vielfältige Art und Weise.

Ich sehe mich weder als „Pro“ noch als „Contra“… am ehesten vielleicht noch „with“ in dieser Beziehung. Vielleicht auch eher innerlich “pro” und äußerlich “with”.

Wenn ich mich verletze, dann mach ich es, weil ich es möchte. Nicht, weil ich nicht anders kann oder die Klinge wie von Geisterhand in meinen Arm gehüpft ist.
Nein, es ist einfach meine Art mit bestimmten Emotionen und Gedanken umzugehen.

Und ich glaube, wenn ich völlig auf die Gefühle meiner mir nahestehenden Mitmenschen scheißen würde, dann würde ich es sehr viel öfter, geplanter und genüsslicher betreiben.

Doch durch diese mitfühlende Eigenheit geleitet, beschränke ich mich dann doch eher auf ein Minimum. Aber wenn es für mich nötig ist, dann ist es so.
(Nicht, dass das falsch rüber kommt – mein Mann akzeptiert mein Schneiden sehr wohl. Er weiß, objektiv gesehen, dass er nicht daran Schuld ist, nichts dafür und nichts dagegen tun kann, dass ich es aus freien Stücken tue. Doch ich weiß ebenso, dass es ihm doch innerlich weh tut. Auch, wenn er sagt, dass es okay ist. Und ich möchte ihm trotzdem nicht mehr Leid, als nötig, zumuten.)

Ich bin mir darüber im Klaren, dass es mein Körper ist, den ich verletze.
Dass ich die Konsequenzen dieses Handelns tragen muss.
Dass es meine Entscheidung ist, mich zu verletzen.
Und ebenso bin ich mir darüber im Klaren, dass ich nicht den leisesten Anreiz verspüre, es nicht mehr zu tun.

Wozu sollte ich mich also von der allgemein herrschenden Meinungen, ob nun von Fachmenschen oder von anderen Betroffenen in Selbsthilfeforen, leiten lassen? Es als Ziel empfinden, SVV sein zu lassen und lieber ständig alberne Skills anwenden, die einen Dreck helfen und mich dazu noch in der „normalen Umwelt“ völlig lächerlich erscheinen lassen? (Bewerbungsgespräch – ich dissoziiere, oh nein! – ich beginne apathisch an einem Gummi, der um mein Handgelenk gespannt ist, herumzuschnippen… natürlich!)

Nein ich muss keiner anderen Meinung folgen, um zu wissen, was gut für mich ist. Ich muss nicht das glauben, was mir eine Therapeutin einbläut. Ich muss niemandem glauben, der meint, das Beste für mich zu wissen, ohne die Fähigkeit zu besitzen, in mich hineinschauen zu können.

Ich kann selbst für mich entscheiden.
Ich muss in kein Staatssystem eingegliedert werden.
Ich muss in keine Opferrolle gedrückt werden.
Ich bin ich. Und ich verletze mich.
Und das ist okay so.

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